Das Napfgebiet

Topografie und Geografie
Der Napf und sein reich zerklüftetes Gebiet liegen ziemlich genau im Herzen, also im Zentrum der Schweiz. Der auf 1408 Meter über Meeresspiegel gelegene Emmentaler „Aussichtspunkt" hat entsprechend seiner ausserordentlich schönen Lage grosse Anziehungskraft für Wanderlustige. Vom Napf aus sind bei guter Sicht zahllose Gipfel vom Säntis bis zum Mont Blanc auszumachen. Über Gräte, Gräben und das Mittelland hinweg kommt lang gezogen der Jura ins Blickfeld. Aber auch Hallwiler See, Baldegger See und Zuger See bereichern die herrliche Fernsicht. Viele nennen den Napf denn auch die „Rigi des Emmentals" oder einige gehen sogar noch weiter und sprechen vom „Mount Everest des Emmentals".

Der Name Napf
Das Wort Napf bezeichnet im Schweizerdeutschen ein rundes Gefäss für Milch, Rahm, Butter oder andere Lebensmittel und wurde früher auch als Masseinheit verwendet. Offensichtlich wurde die Gipfelform mit einem umgestülpten Milchnapf in Verbindung gebracht. Der Name will allerdings nicht so recht zur Bergform passen. Die höchste Anhöhe ist nur von einem besonders günstigen Standort aus und mit einiger Phantasie - oder durch die Linse eines geschickten Fotografen - als umgestülpter Milch- oder Butternapf zu erkennen.

Das Naturschutz- und Wandergebiet
Der Regierungsrat des Kantons Bern hat 1979 das Naturschutzgebiet Napf in Form einer Verordnung erlassen. Das kantonale Naturschutzgebiet hat eine Ausdehnung von 19 km2. Innerhalb dieses Gebietes ist eine Kernzone (Geissgratflueh-Region) ausgeschieden. Gemäss den Schutzbestimmungen darf in dieser Kernzone der Wanderweg nicht verlassen, keine Feuer angezündet und auch keine Hunde laufen gelassen werden. Im ganzen Schutzgebiet ist auch das Campieren und das Aufschlagen von Zelten untersagt. Gelegentlich werden hier auch Steinadler und das Auerhuhn gesichtet. Das Naturschutzgebiet Napf zeichnet sich vor allem aus durch die reichgegliederte Landschaft mit den schönen Aussichtspunkten, die unberührten Naturräume und die reiche Vielfalt verschiedener Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Das BLN-Objekt Napfbergland (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung)
Dieses Bundesinventar wurde 1977 vom Bundesrat erlassen und umfasst rund 160 Objekte wie typische Landschaften, Naturdenkmäler, einzigartige Objekte (z.B. Berner Hochalpen). Das BLN-Objekt Napfbergland wurde 1983 in dieses Bundesinventar aufgenommen. Das Schutzgebiet erstreckt sich über 5 Berner und 8 Luzerner Gemeinden. Die Aufnahme eines Objektes in das Bundesinventar besagt, dass es in besonderem Masse die vollumgängliche Erhaltung oder jedenfalls die grösstmögliche Schonung verdient. Das BLN-Objekt Napfbergland wird bezüglich Bedeutung wie folgt vom Bund umschrieben: Von Weide- und Waldwirtschaft geprägte, verkehrsfeindliche Kulturlandschaft, ausschliesslich mit Einzelhofsiedlungen. Stärkste Anreicherung von Alpenpflanzen im nördlichen Alpenvorland (einzige Fundstelle des ostalpinen Bärenklau). Vorkommen von Steinadler, Auerhuhn und Haselwild. Abwechslungsreiches Wandergebiet mit wunderschönen Aussichtspunkten. Bei Eingriffen in die Natur (z.B. Strassenbau) muss auf die Anliegen des Schutzgebietes durch die Behörden Rücksicht genommen werden.

Grenzpfad Napfbergland
Im Jahre 1998 wurde der Grenzpfad Napfbergland eröffnet. Er zieht sich von St. Urban bis auf das Brienzer Rothorn. Der 75 km lange Grenzpfad kann in etwa 5-9 Tagen via St. Urban - Melchnau - Huttwil - Ufhusen - Ahorn - Napf - Turner - Wiggen - Wachthubel - Marbach - Schangnau - Kemmeriboden-Bad - Brienzer Rothorn erwandert werden. Entlang des Grenzpfades werden mit Schautafeln verschiedene Bereiche dieser Landesregion erläutert. Dabei finden wir Abhandlungen über Themen wie Kies und Kohle, Tier- und Pflanzenwelt, Nagelfluh und Gold, historische Verkehrswege, Grenzverkehr früher, Sagen etc. etc.

Das Holz
Holz hat im Napfgebiet eine grosse wirtschaftliche Bedeutung. Für Bauernfamilien bringt die Holzerei ein Zusatzeinkommen und deckt den Eigenbedarf. Vielerorts wird es als Brennstoff verwendet und für das Gewerbe dient es als wichtiger Rohstoff. Mengenmässig fällt vor allem der Bedarf von Sägereien, Zimmereien und Schreinereien sowie der modernen Holztechnologie ins Gewicht. Das Holz aus dem Emmental und Entlebuch wird nach wie vor auch exportiert. Weniger wertvolle Holzqualitäten von Buche und Rottanne gelangen zum Beispiel nach Italien, Bauholz aus Weisstanne nach Frankreich, Schnittholz aus Weisstanne nach England.

Das Napf-Gold
Die Goldvorkommen am Napf sind wahrscheinlich die ältesten bekannten Goldvorkommen der Schweiz. Die Helvetier, die vor Christus auf dem heutigen Gebiet der Schweiz lebten, suchten vermutlich schon nach Napfgold. Auch die Römer sollen durch ihre Sklaven im Napfgebiet Gold gewaschen haben. Die geringen Mengen Gold liessen nie einen Goldrausch aufkommen. Insbesondere seit dem 20. Jahrhundert kann man nur noch von Hobbygoldsuchern sprechen. Gefunden werden lediglich nur noch Flitterchen bis max. 15 mm Durchmesser und ca. 0.1 mm Dicke (ein gewisser Herr Maag, Wirt im Oberaargau und angefressener Napfgoldschürfer, hat einen Goldzahn aus purem Napfgold). Das Napfgebiet darf sich jedoch rühmen, mit 97.3 Prozent das reinste Gold der Welt zu besitzen. Jedenfalls ist bis heute noch nirgends auf der Welt reineres Gold gefunden worden. Durch den Aufstoss der Alpen (vor 10-20 Millionen Jahren) entstanden Gesteinsfalten, deren goldhaltiges Urgestein sich aus dem Monte Rosa- und Simplon-Gebiet nach dem Norden überschob.

Sagen (z.B. „Der goldene Trämel im Napf")
Weit hinten im Emmentaler Bergland, an der bernisch-luzernischen Grenze, ragt sein höchster Gipfel, der Napf, empor. Im Gipfel des Napfberges, weiss uns die Sage zu berichten, liegt ein grosser Trämel aus purem Golde verborgen. Als einst ein Gewaltiger dieser Gegend, ein gefürchteter Peiniger seiner Untertanen, vor seinen Feinden flüchten musste, schleppte er seine Schätze, die er vor seinen Verfolgern in Sicherheit bringen wollte auf den Napf. Hier versagten ihm seine Kräfte den Dienst. Er verbarg seinen goldenen Reichtum im Gipfel des Berges, um ihn bei besserer Gelegenheit an einen sichern Ort zu verbringen. Auf der Flucht wurde er von dem empörten Volk eingeholt und mit Knütteln und Äxten erschlagen. Die Berggeister des Napfes aber, betrachteten sich als die Erben des erschlagenen Tyrannen und bemächtigten sich des Schatzes. Sie schleppten die goldene Last in ihre unterirdischen Räume und formten in emsiger Arbeit einen goldenen Trämel daraus, den sie im Bergesinneren aufbewahren und sorgsam hüten.

Die Köhlerei
Im luzernischen Napfgebiet bildet die Holzköhlerei, also das Anlegen von Kohlenmeilern immer noch einen bergbäuerlichen Nebenerwerb. Die Blütezeit der Köhlerei war 1939-1945. Danach nahm die Nachfrage allmählich ab. Ganz erloschen ist glücklicherweise dieses Handwerk aber nie. Aus 100 kg Holz können 25 kg Holzkohle gewonnen werden. Ein Meiler benötigt 30-40 Klafter Nadel- und Laubholz. Die Meiler werden vorwiegend nach dem Heuet oder nach dem Emdet angelegt. Die Verkohlung eines Meilers nimmt 18-19 Tage in Anspruch. Bei einem Meiler von 40 Klafter Holz werden bspw. 30'000 Liter Wasser verdampft.

Der Napfmarathon
Seit vielen Jahren wird jeweils anfangs Oktober der Napfmarathon durchgeführt. Dieser 42 km lange Marathon führt von Trubschachen (Start) via Risisegg auf den Napf und von dort über Niederenzi - Lushütte - Schynenalp wieder nach Trubschachen. Viele Läuferinnen und Läufer aus dem In- und Ausland schwärmen jeweils von dem einzigartigen Laufgebiet, welches besonders im herbstlich-romantischen Kleid eine herrliche Kulisse abgibt. Diese 42 Leistungskilometer, verbunden mit der enormen Höhendifferenz verlangt den Sportlern alles ab. Schier unglaublich erscheint einem die Rekordzeit von 2 h 45 Min., welche von einem sehr guten Sportler gelaufen wurde.

Link:
"Giftnapf" für Marathonläufer

Projekt einer Bergbahn auf dem Napf
1891 wurde beim Bund ein Projekt eingereicht für eine Eisenbahn von Trubschachen auf den Napf. Diese Idee scheiterte nach erteilter Bewilligung durch den Bundesrat schliesslich am Geld. Die vielen Wanderer sind wahrscheinlich froh, dass dieses Projekt nie realisiert wurde. Die Konzession ist mittlerweile am 28. März 1973 ausgelaufen.

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