Täuferversteck im Hüttengraben

 Täuferversteck Hüttengraben Auch im Truberland gab es Täufer. Sie waren als behülfliche Nachbarn und stille, ehrbare Leute beliebt. Sie wollten ihre Kinder erst taufen lassen, wenn sie den Sinn der Taufe verstehen konnten. Daher der Name Täufer. - Weil die Bibel das Schwören verbietet, wollten sie dem Landvogt den Treueid nicht schwören, aber ihr gegebenes Wort sollte so viel gelten wie ein Eid. - Sie liessen sich nicht durch Prädikanten (Pfarrer) trauen. Deshalb war ihre Eheschliessung ungültig, und ihre Kinder galten als unehelich. Ausserdem wollten sie keine Waffen tragen. Das waren Gründe genug, dass sie von den Gnädigen Herren verfolgt wurden.

Im 18. Jahrhundert wurden Täuferjäger angestellt. 1734 waren zwei Täuferjäger im Trub unterwegs, um Christian Siegenthaler im untern Hälig, Wüthrich zu Häusern, Hans Gerber, "stadler" genannt, und David Baumgartner zu fangen. Die Täuferjegi wurde gestört, indem die Verfolgten "mit Hornen, Schiessen, Scheyen und dergleichen Zeichen gewarnt wurden" und flüchten oder sich verbergen konnten. Im Haus der Familie Fankhauser in Hinter-Hütten ist heute noch unter der "Bühni" ein Täuferversteck zu besichtigen. Eine unerfreuliche Geschichte ereignete sich im Herbst 1726. Drei Täuferjäger wollten im Windbruch ob Kröschenbrunnen die drei Täuferweiber Anni Blaser von Langnau, sowie Elsbeth Schenk und Cathri Hofstetter, die Mutter und die Frau des Hausbesitzers Hans Baumgartner, verhaften. Dieser und zwei seiner Freunde wehrten sich und stellten mit Recht fest, sie seien auf Luzerner Boden. Deshalb dürfe den Weibern nichts angetan werden. Sie stiessen gegen die Jäger Drohungen aus: Sie wollen ihnen die March zeigen! Baumgartner habe das Messer gezogen, er wolle eher das Leben lassen, bevor die Jäger die Weiber fortführen. Er und seine Freunde haben auch "entsetzliche und schröckliche Flüch und Wort" gegen die Täuferjäger ausgestossen. Dem Täuferjäger Wüthrich haben sie gesagt, er sei ein "schlimmer Gsell, Schelm, Lump und Höllenhund". Einer der Freunde habe mit der Hauge auf den Boden geschlagen und gebrüllt, es koste, was es wolle, die Jäger müssten die Weiber nicht haben. Die Täuferjäger verklagten die widerspenstigen Truber bei der bernischen Täuferkammer. Der Landvogt von Trachselwald sollte die Sache untersuchen. Die Truber fanden Hilfe beim Landvogt vom Entlebuch, welcher bei der Berner Regierung Beschwerde wegen Grenzverletzung einreichte. Der Berner Rat antwortete, dass keiner dieser drei Täuferjäger irgend etwas besitze. Wenn aber der Landvogt vom Entlebuch darauf beharre, dass eine "territorial violation" geschehen sei, so sei er bereit, die Täuferjäger "am Leib abzustraffen". - Diese Grenzverletzung hatte einen langwierigen Streit mit Luzern zur Folge. Die Jäger wurden mit einer Busse belegt. Sämtliche Akten mit einer Karte und einer farbigen Ansicht des Windbruchs sind im bernischen Staatsarchiv vorhanden.

Mehr als drei Jahrhunderte dauerte die Verfolgung der bernischen Täufer. Endlich brachte ihnen die Bundesverfassung von 1848 Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Weitere Informationen zum Täuferversteck und den Oeffnungszeiten:
Regula + Simon Fankhauser, Hinter Hütten, 3557 Fankhaus
Telefon: 034 495 54 14
E-Mail: taeuferversteck@bluewin.ch
Internet: http://www.taeuferversteck.ch/home.html

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